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Stephan Leuenberger

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3. Die alte Lindenholzmühle

Die alte Lindenholzmühle befindet sich seit 400 Jahren im Besitze der Familie Leuenberger. Dies ist nahezu ein halbes Jahrtausend und keine Selbstverständlichkeit. Mühlen wechselten in der Regel ihre Besitzer häufig und in regelmässigen Abständen, denn Mühlen waren beliebte Tausch-, Pfand– und Schenkungsobjekte. Die alte Mühle Lindenholz bildet zusammen mit seinem Gut das Stammhaus der Leuenberger von Leimiswil und nahezu aller Leuenberger, die in der Region Oberaargau verbürgert sind. Sie ist ein bedeutungsvoller Bestandteil unserer ganzen Familiengeschichte. Im weiteren ist die Geschichte der Mühle Lindenholz und seiner nächsten Umgebung bis dahin nie aufgearbeitet worden. Grund genug um der Müllerei und im Speziellen dieser Mühle ein ganzes Kapitel zu widmen.

Die alte Lindenholzmühle ist zweifelsfrei das älteste nachweisbare Gewerbe auf Boden der Gemeinde Leimiswil. Über ihr tatsächliches Alter kann jedoch nur spekuliert werden. Das Land auf welchem sie errichtet wurde gehörte im Mittelalter zum gemeinen Allmendland von Kleindietwil. Teile der Mühlematte, früher Studenmatt sind heute noch sogenannte Ausweiden der Gemeinde Leimiswil. Die topographische Lage der Mühle kann auf verschiedene Weise erklärt werden:

Der Standort einer Getreidemühle im Umkreis des heutigen Dorfkerns von Leimiswil  wäre sicher rein theoretisch denkbar. Dagegen spricht aber die relativ geringe Wassermenge des Leimiswilbaches, im Sommer bei Trockenheit und im Winter bei starkem Frost. Dagegen bietet die Langete zu jeder Jahreszeit genügend Wasser zum Antrieb einer Getreidemühle. Das Grundstück auf welchem die Mühle errichtet wurde war früher mehr oder weniger Sumpfland. Erst mit der Entwässerung, der Kanalisierung und der Einrichtung von Wässergräben konnte das Land wirtschaftlich genutzt werden.  Die Höfe im Käsershus, Gumpele und Gollihof so wie die Höfe von Kleindietwil wie Hunzenhof und Felixhof zählen zu den ältesten bäuerlichen Einrichtungen im Langetentale. Es ist durchaus möglich, dass der Erbauer der Lindenholzmühle einer dieser Hofbesitzer war oder dass die Mühle ein Gemeinschaftswerk aller umliegenden Höfe war.

Die Lindenholzmühle wird 1470 zum ersten Mal im Urbar der Karthause Thorberg schriftlich genannt. Aus der Hand des Peter von Krauchthal und seiner Gemahlin Anna von Felschen erhielt die Karthaus die Mühle 1459 als Anna von Felschen verstarb. Als Müller wird ein Hensli Jost genannt. Laut Familiendokumenten der Familie Käser im Käsershus befand sich die Mühle schon 1465 im Besitze der Familie Käser.

Zur Lindenholzmühle gehörten schon 1470 Weiderechte auf einer Allmend von Kleindietwil und am Bonsberg so wie Acker in der Gumpele und im Eichholz. Unter der Regie von Hans Käser wuchs das  Gut und die Mühle in den Jahren von 1530—1536 zu einem ansehnlichen Besitztum.

Als letzter Müller dieses Geschlechtes agierte Beat Käser. Nach seinem frühen Ableben verheiratete sich seine Frau Maria Wild in zweiter Ehe mit Ulli Löüwenberger von Walterswil. Ulli Löüwenberger liess die Mühle an den heutigen Standort ausrichten (vermutlich stand sie ursprünglich direkt an der Langete), vergrösserte die Mühle von einem auf zwei Mahlgänge und liess die Wasserzuleitung auf das heutige Niveau ausrichten.

Unter der Regie seines Urgrosssohnes Friedrich Leuenberger wuchs die Mühle und das Gut zu einem Grossgrundbesitz heran. Nachdem er schon früh verwitwet war heiratete er im fortgeschrittenen Alter  Barbara Wälchli vom Grossferrenberg in der Gemeinde Wynigen.  Nach seinem Ableben im Jahre 1741 hinterliess er nicht nur einen immens grossen Besitz sondern eine trauernde Witwe, drei minderjährige Söhne und sechs Töchter. Das Gut und die Mühle sowie die übrigen Liegenschaften wurden bis 1759 treuhänderisch verwaltet. Als Lehenmüller waltete in dieser Zeit Andreas Wiedmer von Madiswil, 2. Ehemann von Barbara Wälchli und Stiefvater der Kinder. Im Jahre 1759 wurden die Liegenschaften auf die drei Söhne Friedrich, Jakob und Samuel aufgeteilt. Auf dem Sterbebett verkündete Friedrich Leuenberger seinen letzten Wunsch, dass Samuel als jüngster Sohn die Mühle, bei Erreichen der Volljährigkeit weiterführen soll. Der Sohn Friedrich erhielt das heutige Unterlindenholz, der Sohn Jakob den Gollihof. Der Sohn Samuel verheiratete sich mit  Anna Maria Buchmüller von Lotzwil. Seine Frau brachte ihm den Mattenhof in Lotzwil mit in die Ehe. Zeitlebens verbrachte er auf dem Mattenhof. Sein Bruder Friedrich hatte die Mühle bis 1809 als Lehen.  Nachdem Samuel sehr früh verstarb blieb das Lehen zunächst in den Händen seines Bruders. Danach übernahm sein Sohn Samuel das Lehen.

Mit der militärischen Besetzung der alten Eidgenossenschaft durch das französische Militär und der Proklamation, die alle mittelalterlichen Privilegien aufhob und der helvetischen Republik den Weg ebnete,  fand ein politischer und sozialer Umbruch statt dem das alte Bern nicht mehr standhalten konnte. Bodenzinse, Ehrschätze und Zehntrechte wurden loskäuflich und aufgehoben. Aber auch die obrigkeitlich privilegierten Müllerordnungen, Kehrordnungen, Mühlenbann und Mühlenzwang vielen  in sich zusammen. Mit der Einführung der neuen Staatsverfassung der Republik Bern im Jahre 1831 wurde die Monopolstellung der oberaargauischen Bannmühlen aufgehoben und dem Wettbewerb der freien Marktwirtschaft überlassen.

Die grosse Blütezeit der Lindenholzmühle kam mit dem Bahnanschluss gegen Ende des 19. Jh.  Als letzter Müller auf der alten Lindenholzmühle handelte Daniel Leuenberger-Gygax. Den Betrieb stellte er vor wenigen Jahren ein.

 

Das Wasser als Sinnbild des Lebens treibt mit seiner Kraft das Rad als Sinnbild der immer währenden Wiederkehr und der Ewigkeit  an. In einem Brief an mich schreibt mir Daniel Leuenberger …. „Der Mühlstein mahlte Korn zu Mehl für Brot…. Der Stein ruht und damit das letzte Müllerehepaar…“

 

 

Wässerplan  aus dem 17. Jh. des Klosters St. Urban im Abschnitt Weinstegen—Madiswil

In der Mitte die alte Mühle Lindenholz mit Wasserzuleitung

Original Staatsarchiv Luzern

Foto Stephan Leuenberger

 

Auszug aus dem Testament der Anna von Felschen

Fach Burgdorf StAB

Foto Stephan Leuenberger

Urbar der Karthause Thorberg 1470

Urbarien Burgdorf StAB

Foto Stephan Leuenberger

Der Müller vom Lindenholz Hans Käser lässt sich vor dem versammelten Gericht Madiswil und dem Landvogt von Aarwangen Hans Koch 1534 seinen Besitz im Lindenholz bestätigen

Foto Stephan Leuenberger

Original in Privatbesitz

Mühlenbach bei der Weinstegenschwelle

Foto Stephan Leuenberger 2006

Wasserabzweigung des Mühlenbaches im Oberlindenholz zum Unterlindenholz

Foto Stephan Leuenberger 2006

Alte Mühle Oberlindenholz von Westen

Foto

Stephan Leuenberger 2006